Oschatzer Allgemeine Zeitung - 29. Juli 2008

Gewinn für Betrieb und Lehrling

kombinierte Studien- und Berufsausbildung Richard Senkel aus Oschatz absolviert eine kombinierte Studien- und Berufsausbildung

von Christian Kunze

Oschatz. Was klingt wie eine Automarke, bezeichnet auch eine Form der dualen Ausbildung. „Kia“ steht für Kooperative Ingenieurs-Ausbildung, eine ans Hochschulstudium gekoppelte Berufsausbildung für technisch Interessierte. Der Oschatzer Richard Senkel ist einer von wenigen in Sachsen, die sich für diesen Weg entscheiden haben.
Senkel ist 21 Jahre alt und begann vor einem Vierteljahr seine Lehre bei Pfennig Bau in Oschatz. „Ich wurde auf ein Faltblatt des Berufsbildungswerks für Bau aufmerksam, in dem das Modell beworben wurde“, erzählt der Oschatzer.
Basis für Senkels Ausbildung ist ein Kooperationsvertrag zwischen der Hochschule Görlitz-Zittau und Pfennig Bau. Im Unternehmen erlangt Senkel praktisches Wissen, an der Hochschule beginnt er im Oktober sein Studium. Die Ausbildung im Betrieb von David Pfennig startet bereits im September.
„Ein Vorteil von Kia ist die Dauer“, sagt Senkel. „Nach fünf Jahren habe ich einen international anerkannten Diplomabschluss in der Tasche.“ Der Abschluss beinhaltet eine zweieinhalbjährige Berufsausbildung mit Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer. Der übliche Weg, Ausbildung und anschließendes Studium, schlägt mit bis zu sieben Jahren zu Buche.
Auch der Ausbildungsbetrieb profitiert vom zweigleisigen Zug. „Mir war Kia bis vor kurzem unbekannt“, sagt David Pfennig. Nachdem er sich damit vertraut gemacht hatte, war ihm die Art der Ausbildung sofort sympathisch. „Für einen angehenden Ingenieur ist die Berufsschule keine Erfüllung“, merkt Pfennig an. „Ein Gewinn für den Betrieb ist das auf jeden Fall. Wenn Herr Senkel ausgelernt hat, beschäftige ich einen Fachmann, der über theoretische Kenntnisse verfügt und schon einen Stein in der Hand gehabt hat.“
Im überbetrieblichen Ausbildungszentrum in Bautzen, wo Richard Senkel einen Teil seiner Ausbildung absolvieren wird, gibt es zur Zeit vier Kia-Studenten.
„Einer hat im vergangenen Jahr begonnen, zwei sind mittendrin, und eine Auszubildende schließt kommendes Jahr ab“, erklärt Ulrich Lehmann, Kia-Projektleiter in Bautzen. „Kia bringt uns auf lange Sicht Ingenieurnachwuchs, der mit Technologien im Unternehmen vertraut ist“, sagt Madeleine Oberhof, Berufsberaterin der Arbeitsagentur Oschatz. Zudem bringe das Projekt zwei bis drei Jahre jüngere Absolventen hervor, sichere den Berufseinstieg während des Studiums und erhöhe die Chancen auf einen Arbeitsplatz.
Bildunterschrift:
Siegfried (links) und David Pfennig (rechts) mit ihrem etwas anderen Auszubildenden Richard Senkel (Mitte).

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