Oschatzer Rundschau - 4. November 2015

Beschäftigung als Form der Integration

Bei Pfennig Bau arbeitet seit drei Monaten Adris Hasan, welcher vor dem Krieg in Syrien nach Deutschland flüchten musste. Unternehmer David Pfennig beschäftigt seit drei Monaten einen Syrier

Oschatz. Adris Hasan ist glücklich, seine neue Heimat in Oschatz gefunden zu haben. „Oschatz ist meine Stadt“, meint der Syrier in wirklich gutem Deutsch.

Wenn Syrien von Krieg und Tyrannei befreit sei, so könne er sich vorstellen wieder zurückzukehren. Aber zum heutigen Zeitpunkt sieht er für sich, seine Frau und seine beiden Kinder keine Chance. Zumal er als Angehöriger der religiösen Minderheit der Jesiden in Syrien um sein eigenes wie auch um das Leben seiner Familie fürchten muss.

Hasan vor einem Jahr nach Deutschland. Und seit drei Monaten steht er sogar in Lohn und Brot. Für seinen Arbeitgeber David Pfennig gab es zwei Gründe, sich auf das „Abenteuer“ Arbeit für Asylsuchende einzulassen. „Ein Grund für mich als Unternehmer ist natürlich der anhaltende Mangel an Arbeitskräften“, sagt er. Den zweiten Grund bezeichnet David Pfennig ebenso als pragmatisch. Denn als Mitbegründer des Oschatzer Bündnisses für Demokratie, Toleranz und Menschlichkeit sieht er in puncto Arbeit die größten Chancen für die Vermittlung der deutschen Werte und einer gesellschaftlichen Integration.

hat innerhalb kürzester Zeit die deutsche Sprache erlernt, versteht und kann sich ausdrücken. „Adris wurde von Beginn an in das Team integriert“, berichtet David Pfennig. „Er tauscht sich mit seinen Kollegen aus, er verdient sein eigenes Geld und lernt automatisch, wie das Leben in Deutschland funktioniert.“ Adris Hasan bekommt eine ganz normale Entlohnung, von der er Steuern und Sozialabgaben bezahlt. Für ihn ist David Pfennig nicht nur Arbeitgeber, sondern auch ein Teil der Familie. „Ich wurde sehr gut in Oschatz aufgenommen und David hilft jederzeit“, sagt Adris Hasan.

Dass eine Beschäftigung möglich war, dafür musste der Unternehmer einige Hürden nehmen. Gemeinsam mit der Agentur für Arbeit und der Landkreisverwaltung konnte dies bewältigt werden. Doch für ihn ist klar: „Um asylsuchende Menschen in Arbeit zu bringen, müssen neue Wege gegangen werden. Das fängt bei der Registrierung der Berufe und Fähigkeiten an, erstreckt sich auf ein bedarfsgerechtes Angebot an berufsbegleitenden Sprachkursen und endet nicht zuletzt auch in einer deutlich effizienteren Vernetzung der Ämter und Institutionen.“

Außerdem verstehe er nicht, warum Asylbewerber Kraft des Gesetzes zu 15-monatigem Nichtstun verdonnert werden, bevor sie Arbeit aufnehmen können. Was sei nach den 15 Monaten anders, was will man mit dieser Frist erreichen? Fragen, auf die es hoffentlich bald Antworten gibt.
Bildunterschrift:
Seit drei Monaten beschäftigt David Pfennig (l.) den Syrier Adris Hasan in seinem Unternehmen. Für den Unternehmer macht diese Beschäftigung Integration möglich.

Bild: Tilo Schroth

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