Forschung und Entwicklung
Strohbauplatten
Aktuell werden im konventionellen Ausbau und Trockenbau hauptsächlich Gipskarton- und Gipsfaserplatten eingesetzt. Der dafür benötigte Gips wird zu großen Teilen aus der Rauchgasentschwefelung von Kohlekraftwerken als Nebenprodukt oder „Abfall“ erzeugt, bis 2030 fällt diese Quelle durch den anstehenden Kohleausstieg weg.
Bereits jetzt gibt es ökologische Alternativen für den Innenausbau, bspw. stranggepresste Lehmbauplatten und Produkte aus Holz (OSB, ESB, Weichfaserplatten etc.). Eine weitere vielversprechende Option sind Werkstoffe aus Pflanzenreststoffen wie z.B. Stroh, welches jährlich in großen Mengen entsteht.
Bei einem Produkt, den bereits am Markt erhältlichen sogenannten Compressed Straw Boards, wird Stroh ohne zusätzlichen Klebstoff unter Hitze miteinander verpresst und mit Karton ummantelt. Die Platten sind formstabil, bauphysikalisch vorteilhaft (bspw. Feuchtesorptionsverhalten, Innenluftqualität / schadstofffrei, Schallschutz) und können verputzt werden.
Bei dem Forschungsprojekt geht es unter anderem darum, den Einsatz von Radiowellen bei der Herstellung dieser Platten zu untersuchen und möglicherweise Produktionsaufwand und Eigenschaften zu optimieren. Hier forschen wir mit an der Trockenbauplatte der Zukunft.
Innovation und Nachhaltigkeit durch Einsatz der Radiowellentechnologie (Radio Wave Saxony — MINT Innoteam) (2024-2027)

Projektkoordinator
Forschungs- und Transferzentrum Leipzig (FTZ)
Förderprogramm
SAB MINT-Fachkräfteentwicklung 2021-2027
Projektbeschreibung
Ziel des Projektes ist es, Innovationen in Form von Produkten und Verfahren in den Bereichen Nachhaltiges Bauen, Umwelttechnologien, Kunststoffverarbeitung und Papierproduktion sowie Gerätetechnik auf Basis der Radiowellen(RW)-Technologie im Rahmen der industriellen Forschung zu entwickeln und die weitere Entwicklung in Richtung Praxisfähigkeit für verschiedene konkrete Anwendungen vorzubereiten. Dabei werden die Alleinstellungsmerkmale der RW-Technologie wie die direkte Erwärmbarkeit kleiner und großer Volumina, die gute Kontrollierbarkeit, die potenziell hohe Energieeffizienz, die Nutzungsmöglichkeit von aus regenerativen Quellen erzeugter elektrischer Energie sowie die Flexibilität hinsichtlich der zu erwärmenden Materialien genutzt, um Effizienzvorteile und positive Effekte für Klimaschutz und Ressourcenschonung zu erzielen. Hierzu sind im Rahmen des Projektes sowohl neue Funktionsprinzipien zu beschreiben und ihre Funktionsfähigkeiten zu evaluieren als auch erste Laboraufbauten zu entwickeln und für Tests zu nutzen. Verbunden damit ist die Aneignung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten auf den dafür notwendigen Gebieten durch die Mitglieder des MINT-Innoteams, wobei eine interdisziplinäre Expertise das Ziel sein muss. Die über die Projektlaufzeit hinausreichende Vision ist es, ein Kompetenzcluster für die RW-Technologie in Sachsen zu etablieren, das die regionale Wirtschaft stärkt und überregional Ansprechpartner für diese innovative Technologie ist.
Vision
In Sachsen entstehen innovative und nachhaltige Produkte und Verfahren, die unter Einbeziehung der dort vorhandenen Forschungs- und Entwicklungskapazitäten die unikalen Möglichkeiten der Radiowellen-Technologie nutzen. Mit RadioWaveSaxony werden Potenziale für die sächsische Wirtschaft generiert, um dauerhaft wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen, die Transformation zu mehr Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung voranzutreiben und zukunftssichere Arbeitsplätze in der Region zu schaffen. Die Verbindung von nachhaltiger Innovation und qualifizierten Arbeitskräften wird RadioWaveSaxony zu einer Technologieplattform für sächsische Unternehmen sowie für nationale und internationale Partner entwickeln.
Beitrag von Pfennig Bau
Die Pfennig Bau GmbH & Co KG legt ihren Forschungsschwerpunkt im Projektverbund auf die Nutzung der RW-Technologie im Bereich ökologische Bau- und Dämmstoffe. Hierbei sollen Erwärmung, Trocknung und Verklebung von Stoffen sowie die relevanten physikalischen und molekularen Vorgänge untersucht und im Labormaßstab die Herstellung von ökologischen Plattenwerkstoffen und Dämmprodukten getestet werden.
Mögliche Anwendungsfelder der RW-Technologie im Forschungsschwerpunkt:
- Produktion oder Optimierung von eigenligninverklebten Ausbauplatten aus unterschiedlichen nachwachsenden Roh- und Agrarreststoffen (insbesondere Getreidestroh)
- Trocknung und Hygienisierung von verschiedenen Dämmstoffen
- Trocknung in der Produktion von Lehmbaustoffen
- Thermisch unterstützte Aktivierung von biobasierten und biologisch abbaubaren Klebstoffen bei der Herstellung von Non-Woven-Textiles und Plattenwerkstoffen
Beteiligt an dem Projekt:
Förderhinweis:
Strohelemente als Großbauteile (2024-2025
Stroh als ein nachwachsender, wärmedämmender, flächendeckend verfügbarer, kostengünstiger, gesunder, CO2-speichernder und zugelassener Baustoff kann die maßgebliche Lösung zum nachhaltigen Bauen sein.
Der Bau mit vorgefertigten Großbauteilen aus Stroh hat das Potenzial, neue Gebäude schnell, wettergeschützt und standardisiert mit Stroh zu bauen.
Wir von Pfennig Bau arbeiteten in 2024 und 2025 daher mit an der Entwicklung einer seriellen Fertigung und Zulassung von Strohelementen als Großbauteilen und den Vorbereitungen für den Bau von Gebäuden mit diesen Bausteinen der Zukunft.
Mittlerweile sind erste Häuser in dieser Bauweise erfolgreich entstanden und wir bieten dies als reguläre Bauleistung an.
Projektträger
Strohelemente GmbH
Projektbeschreibung
Am Standort der Alten Filzfabrik in Oschatz wurde eine Fertigungsstrecke zur seriellen Vorfertigung von Strohelementen errichtet. Für die Strohelemente wurden Vorbereitungen die bauphysikalische und statische Zulassung durchgeführt. Die Grundlagen wurden gelegt, um die Strohelemente als BIM-Elemente zu konzipieren und ins CAD-System aufzunehmen, sodass digital unkompliziert mit ihnen geplant werden kann.
Beitrag von Pfennig Bau
Pfennig Bau arbeitete mit an dem Aufbau der Fertigungsstrecke für seriell vorgefertigte Großbauteile aus Stroh, inkl. der notwendigen Lagerung und Logistik. Ebenso beteiligt sich Pfennig Bau an den Vorarbeiten und Vorbereitungen, um die Großbauteile zulassen und standardisiert verbauen zu können.
Beteiligte an dem Projekt
- Strohelemente GmbH (Webseite | Instagram)
- Pfennig Bau GmbH & Co. KG
- HTWK Leipzig, Institut für Baustoffen und Bauverfahrenssimulation (Webseite)
Förderhinweis:
Strohelemente