Deutsches Handwerksblatt - 2. Februar 2012

Griechische Berufsschullehrer und Berater bilden sich in der Region fort

Griechische Gäste informieren sich bei Pfennig-Bau zu dualer Ausbildung, Energieeffizienz und Unternehmensgründungen KOOPERATION: Duales Ausbildungssystem und Energieeffizienz stehen im Mittelpunkt des Interesses

Von Olaf Blümel

Griechenland ist in letzter Zeit nicht eben ein Garant für gute Nachrichten. Neben vielen anderen Problemen hat das Geburtsland der Demokratie auch mit einer Jugendarbeitslosigkeit zu kämpfen, die selbst für ostdeutsche Verhältnisse auf einem erschreckend hohen Niveau von über 40 Prozent stagniert. Wie eine praxisnahe Ausbildung und ein Übergang in ein Beschäftigungsverhältnis gelingen können, erkundete eine 17- köpfige Gruppe griechischer Pädagogen Mitte Januar in und um Leipzig.

Erfolgsmodell duale Ausbildung
Der Besuch der südeuropäischen Bildungsfachleute ist Teil des Projektes „ALLEX 2012“ (Athen-Leipzig-Learning-Exchange). Ein Großteil der Gruppe waren Berufschullehrer der größten technischen Bildungseinrichtung in Griechenland, der Sivitanidios- Schule Athen. Des Weiteren gehörten Arbeitsmarkt- und Gründungsberater zu der Delegation. Während des einwöchigen Aufenthaltes machten sich die Hellenen mit dem System der dualen Berufsausbildung vertraut. Ein Miteinander von Berufsschule und Ausbildungsbetrieb ist in Griechenland nicht üblich, in der Regel lernen die Schulabgänger lediglich in einer staatlichen Berufsschule. So erhält zwar jeder Jugendliche eine Ausbildung, der Übergang in die Praxis gestaltet sich dann allerdings schwierig. Entsprechend beeindruckt zeigten sich die Griechen von den praktischen Ausbildungsmöglichkeiten im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer und den Fertigkeiten der Lehrlinge.

Energieeffizienz rückt in den Fokus
Auf großes Interesse stießen ebenso die Themen Energieeffizienz und Unternehmensgründung. Durch den Besuch bei der Baufirma Pfennig konnten diese zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Mit dem Oschatzer Unternehmen lernten die Besucher eine Firma kennen, welche bei der energieeffizienten Gebäudesanierung eine Vorreiterrolle spielt. Diese Rolle betonte auch der Oschatzer Oberbürgermeister Andreas Kretschmar, der die Gäste begrüßte und seiner Wertschätzung für die mittelständischen Unternehmer der Döllnitzstadt zum Ausdruck brachte. Ausführlich erläuterte Geschäftsführer David Pfennig den Tätigkeitsbereich des Unternehmens. Am Beispiel des sanierten Firmensitzes in der Oschatzer Bahnhofstraße stellte er den Einbau von Dämmung mit spezieller Einblastechnik vor. Das rund 100 Quadratmeter große Bürogebäude verursacht Heizkosten von gerade mal 150 Euro jährlich. Grund dafür: eine spezielle Dämmung durch eine vier Zentimeter starke Holzweichfaserplatte und bis zu 36 starke Isofloc- Dämmschichten sowie die Wärmerückgewinnung. Dabei wird die Abwärme der Bürogeräte genauso genutzt wie die Menschen im Raum. „Am kältesten ist es bei uns nach dem Wochenende, wenn niemand im Büro ist“, erklärte Pfennig den erstaunten Besuchern. Dass der Zellulosedämmstoff auch noch brandresistent ist, zeigte sich beim Praxistest und verblüffte nicht minder. Die griechischen Gäste stellten heraus, dass Wärmedämmung inzwischen auch in Südeuropa ein Thema ist.

Bürokratie behindert Unternehmer
Viele Fragen stellten die griechischen Pädagogen und Berater rund um die Modalitäten einer Unternehmensgründung in David Pfennig macht den Praxistest: Der Zellulosedämmstoff hält der Flamme stand Deutschland. Offensichtlich ist es so, dass die hier üblichen bürokratischen Hürden für Jungunternehmer im Vergleich zu Griechenland noch harmlos sind. Dass eine Unternehmensgründung in Deutschland prinzipiell innerhalb weniger Tage möglich ist, erregte die Aufmerksamkeit der Gäste. Beeindruckt zeigten sie sich vom relativ unkomplizierten Ablauf einer Gründung, den David Pfennig sowie die Mitarbeiterin des Starter-Centers der Handwerkskammer zu Leipzig Grit Kinne erläuterte. „Eine Firmenübernahme ohne Konzessionszahlung ist in Griechenland scheinbar undenkbar“, stellte die Gründungsberaterin der Kammer resigniert fest. Bleibt zu hoffen, dass ein solcher Erfahrungsaustausch Früchte tragen möge.
Bildunterschriften:
David Pfennig macht den Praxistest: Der Zellulosedämmstoff hält der Flamme stand

Foto: Blümel

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