Pfennig Bau
Oschatzer Allgemeine - 10. April 2026

Mauern mit Quark und Lehm: Oschatzer Maurermeister rettet Sachsens Erbe

Mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz vertieft der Handwerker Alexander Luchs sein Wissen über Lehmbau und Kasein-Anstriche, um Sachsens reiches Bauerbe zu sichern.

OschatzAlexander Luchs steht an einem alten Haus, der Blick wandert über rissigen Putz und jahrhundertealtes Mauerwerk. Mit geübten Handgriffen prüft er den Untergrund – jeder Stein erzählt seine eigene Geschichte. Für den Maurermeister ist das Alltag: In Sachsen, wo tausende Baudenkmäler sanierungsbedürftig sind, arbeitet der Oschatzer daran, alte Gebäude behutsam zu erhalten und ihnen neues Leben einzuhauchen.

Der Freistaat Sachsen gehört zu den Bundesländern mit einem riesigen Bestand an Baudenkmälern. Auf der Denkmalliste des Freistaates stehen derzeit 101.000 Baudenkmale. Dazu gehören Bürgerhäuser, Bauerngehöfte, Schlösser, Herrenhäuser, aber auch Industrieobjekte.

Viele historische Gebäude sanierungsbedürftig
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz schätzt, dass über ein Drittel der historischen Bausubstanz sanierungsbedürftig beziehungsweise gefährdet ist. Für Alexander Luchs gehört die Denkmalrettung inzwischen seit vielen Jahren zum Alltagsgeschäft. Der 38-Jährige hat Maurer gelernt und ist inzwischen Maurermeister.

Seit 2008 arbeitet er beim Oschatzer Bauunternehmen Pfennig Bau und betreut dort fast ausschließlich Arbeiten an wertvollen denkmalgeschützten Gebäuden. Seit diesem Jahr ist Alexander Luchs auch Stipendiat der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und nimmt nebenberuflich an zahlreichen Weiterbildungskursen teil, bei denen sich alles um die denkmalgerechte Sanierung von Gebäuden dreht.

Mit der Unterstützung der Stiftung erhalten Handwerkerinnen und Handwerker wie Alexander Luchs die Chance, sich fortzubilden und den Abschluss einer geprüften Restauratorin beziehungsweise eines geprüften Restaurators im Handwerk – Master Professional für Restaurierung im Handwerk – zu erwerben. Die Ausbildung erfolgt bei der Bildungsakademie der Handwerkskammer zu Leipzig, die eine Ausbildung zum Restaurator im Handwerk im Bildungsprogramm hat. In der Vergangenheit waren die Kurse aus dem Ausbildungszentrum in Trebsen bekannt gewesen.

„Ich freue mich, dass ich an dieser Ausbildung teilnehmen kann, weil sie theoretisches und praktisches Wissen vereint“, sagt Alexander Luchs. Der in der Vergangenheit auf vielen Baustellen schon praktische Erfahrungen sammeln konnte. „Ich habe schon Maurerarbeiten an Kirchen, Herrenhäusern und auch Stadthäusern gemacht. Bei einer Jugendstil-Villa in Dresden ging es vor allem um eine schonende Sanierung, bei der dann auch wieder historische Baumaterialien und Techniken angewandt werden“, so Luchs. Langweilig wird es auf den Baustellen an historischen Objekten nie. „Die Gebäude, an denen wir arbeiten, stammen manchmal aus dem 14. Jahrhundert, und dann gibt es wieder Objekte aus dem frühen 20. Jahrhundert. Jede Epoche hatte ihren eigenen Stil und ihre eigenen Handwerkstechniken. Die muss man kennen, wenn man sie wieder in altem Glanz auferstehen lassen will“, berichtet der Maurermeister.

Altbausanierung und Denkmalpflege haben Luchs seit seiner Lehre beruflich begleitet. Im Mittelpunkt stehen dann normalerweise Putz- und Maurerarbeiten. „Inzwischen nimmt aber auch die energetische Sanierung von historischen Bauobjekten einen breiten Raum ein. Hier benötigt es gute Überlegungen, mit den Dämmmaterialien nicht hinterher Bauschäden zu verursachen“, räumt er ein.

An einem historischen Gebäude kann er wie in einem Geschichtsbuch lesen. „Man kann viel über die ehemaligen Bauherren herauslesen. Je mehr Stein verwendet wurde, umso reicher war der Bauherr. Fällt das Fachwerk etwas schwächer aus, war der Geldbeutel schmal“, berichtet Luchs. Innerhalb der Lehrgänge erwartet der Oschatzer auch einen regen Austausch mit Kollegen.

Alte Baustoffe: Quark, Kalk und Lehm
„Da geht es beispielsweise um Rezepturen für Mörtel oder bestimmte Putztechniken. Dass früher die Maurer auch Eier und Quark verwendet haben, ist kein Märchen. Wer heute einen historischen Mörtel oder einen Anstrich auf Kalk-Kasein-Basis anrührt, der greift auch heute noch auf Quark zurück. Allerdings nur in geringen Mengen“, erzählt Alexander Luchs. Auch Lehm spielt bei der denkmalgerechten Sanierung inzwischen eine große Rolle. In den Berufsschulen erfahren die Lehrlinge davon fast nichts. Deshalb wird auch Wissen aus dem Lehmbau bei den Fortbildungskursen angeboten.

Noch bis 2028 wird Alexander Luchs bei der Handwerkskammer Leipzig die Schulbank drücken müssen. Dann ist die Weiterbildung abgeschlossen.
Bildunterschrift:
Maurermeister Alexander Luchs mit einem Sanierungsbeispiel für historisches Bauen auf dem Lande. Bei vielen Bauernhäusern wurden Lehmwickel verwendet. Bauen und Sanieren mit Lehm ist inzwischen wieder populär geworden.

Text und Foto: Hagen Rösner