Pfennig Bau
Freie Presse - 06. März 2026

Baumesse „Haus 2026“ in Dresden eröffnet: „Ein Haus ist kein Industrieprodukt“

Von Eva-Maria Hommel

Die Baubranche scheint sich zu erholen, doch die Kosten bremsen viele Projekte aus. Experten sehen im modularen Bauen eine Lösung. Einige Unternehmen aus Sachsen sind schon dran.

Chemnitz. Endlich geht es wieder los! Dieser Satz war in ähnlicher Form gleich mehrfach zu hören bei der Eröffnung der Baumesse „Haus 2026“ in Dresden. Gemeint war die Lust am Werkeln und Bauen. Aber auch die neuesten Branchenzahlen stimmen vorsichtig optimistisch: Nach schwierigen Jahren ist der Wert der Auftragseingänge im vergangenen Jahr wieder um 7,5 Prozent gestiegen.

In Dresden standen am Donnerstagmorgen jedenfalls die ersten Gäste schon vor der Eröffnung vor der Tür. In den Messehallen konnten sie Dachdecker beim Bearbeiten der Schindeln beobachten oder sich Energiemanagement und Wärmepumpe erklären lassen.

Bauherren müssen lang auf Darlehen warten

Toni Göschel und Theresa Irmscher hatten als Arbeitsgerät ihren Laptop dabei. Sie sind Bauingenieur und Assistentin der Geschäftsführung bei Lindner-Bau in Hohenstein-Ernstthal. Der Betrieb mit seinen 45 Mitarbeitern errichtet Einfamilienhäuser und Pflegeheime im Umkreis von bis zu 150 Kilometern. Auf die Frage, was die Branche zurzeit bewegt, kommt die Antwort prompt: „Die Kosten.“ Für Bauherren sei es schwierig, eine Finanzierungszusage zu bekommen. Vom Erstkontakt bis zum fertigen Entwurf dauere es oft zwei Jahre.

Toni Göschel ist deshalb ständig auf der Suche nach Einsparmöglichkeiten: Was wäre, wenn man ein Bad nicht auf der Baustelle fl iest und einrichtet, sondern schon vorher in einer Fabrikhalle komplett herstellt und dann zur Baustelle transportiert? Man müsste dann nicht die Einzelteile transportieren, könnte gleichbleibende Qualität anbieten und vermeide Reibereien bei der Übergabe zwischen einzelnen Gewerken. Andererseits müssten Abläufe auf der Baustelle umgestellt werden. Fazit: „Modulares Bauen ist für uns zurzeit nicht sinnvoll.“ Man behalte das Thema aber im Blick, vor allem für größere Sozialbauten wie Altenheime.

Bei DB Research, der Forschungsabteilung der Deutschen Bank, forscht Jochen Möbert seit Jahren am Thema modulares Bauen. Seiner Einschätzung nach werden die Baukosten künftig um fünf Prozent pro Jahr steigen: „Seit der Wiedervereinigung ist die Produktivität der Branche um 25 Prozent gesunken, während sie gesamtwirtschaftlich um fast 50 Prozent zulegte.“ Neben Vorschriften und dem zunehmenden Fachkräftemangel sei die Kleinteiligkeit der beteiligten Betriebe ein Grund.

Jochen Möbert: „Drei Faktoren könnten die Produktivität deutlich steigern: Digitalisierung inklusive Künstlicher Intelligenz, Robotik sowie Fertigteil- und Modulbau. Angesichts des Fachkräftemangels werden Arbeitsplätze in Werkhallen attraktiver als klassische Baustellen. Das stärkt den Modularbau enorm.“ In Zukunft könnten demnach immer häufi ger ganze Räume in der Fabrikhalle gebaut und dann fertig auf die Baustelle geliefert werden.

Architekten sind teils skeptisch

Bei der Bundesarchitektenkammer betrachtet man das Thema mit mehr Skepsis. Grundsätzlich müsse der Vorfertigungsrad ansteigen, allein wegen des Fachkräftemangels, heißt es in einer Stellungnahme. Doch eine qualitätvolle, sozial ausgewogene und dauerhafte Architektur solle weiterhin das Ziel sein.

Andreas Wohlfarth, Präsiedent der Architektenkammer Sachsen, formuliert es so: „Ein Haus ist kein Industrieprodukt.“

Strohballenhäuser gibt es auch

Individuell ist jedenfalls das Angebot, das die Firma Pfennig-Bau aus Oschatz auf der Messe präsentiert: ein „Strohballenhaus“. Ein Holzmodul wird mit stark komprimiertem Stroh gefüllt und mit einer Lehmschicht verkleidet. Das alles geschieht in der Werkshalle, dann erst wird das komplette Strohelement zur Baustelle transportiert. Levin Schwörer, der praktische Bauleiter, erklärt: „So muss die Maschine, die das Stroh komprimiert, nicht transportiert werden.“ Der nachwachsende Rohstoff sei ausreichend vorhanden, auch Lehm sei kostengünstig. Auf der Baustelle bauen die Zimmerleute noch Fenster ein. Pfennig-Bau ist Praxispartner des Architekten Werner Ehrich, der diese Art von Strohelementen erfunden hat. In Leipzig-Lindenau und in Naunhof bei Leipzig stehen bereits fertige „Strohballenhäuser“. Beim Vorbeifahren wird man sie allerdings nicht erkennen: Sie sind verputzt und sehen aus wie ganz normale Häuser. Bauleiter Schwörer: „Wir nutzen traditionelle Materialien und bauen moderne, stabile Gebäude.“

Die Messe „Haus 2026“ in Dresden mit mehr als 400 Ausstellern aus sieben Ländern ist bis Sonntag, 8. März, täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Schwerpunkte sind Gebäudesanierung und Holz, integriert ist außerdem die Fachausstellung „Energie“. Im Eintritt von 12 Euro (ermäßigt 10, Junge-Leute-Ticket 6) ist das Vortragsprogramm enthalten.