Mitteldeutsche Zeitung SaaleKurier - 16. Februar 2026
Viel Holz, viel Lehm
In der Südstadt von Halle entsteht gerade der Neubau für die katholische Sekundarschule St. Mauritius. Was den Bau mit Anspruch auf Nachhaltigkeit ausmacht und wie die Kosten ausfallen.Halle/MZ.Anderswo ist er im Wege und kommt wie beim Straßenbau ungenutzt auf Halden. Die Schulstiftung des Bistums Magdeburg geht in Halle andere Wege. In der Südstadt, genauer in der Murmansker Straße, lässt die Stiftung „Edith Stein“ gerade einen Schulneubau errichten, der zu großen Teilen aus dem auf anderen Baustellen störenden Lehm und aus Holz besteht.
Jahrhunderttradition
Diese Art zu bauen hatte hierzulande jahrhundertelang Tradition, wie Christof Ziegert sagt, der sich als Lehmbausachverständiger engagiert. In Mitteldeutschland gebe es mit rund 200.000 die deutschlandweit meisten Lehmbauten. Und auch wenn der traditionelle Baustoff zugunsten von Materialien wie Beton mit der Zeit ins Hintertreffen geraten sei, gebe es gute Gründe, sich darauf zu besinnen.
Ulrike und Alexander Tietze brauchen von seinen Vorteilen nicht überzeugt zu werden. Das Architektenpaar vom Magdeburger Büro Steinblock hat das innovative hallesche Bauprojekt konzipiert. Herkömmliches Bauen sei schlecht fürs Klima, sagt Ulrike Tietze und unterlegt das mit Zahlen. So seien 40 Prozent des Co2- Ausstoßes in westlichen Ländern werde durch Bauarbeiten verursacht. Da habe es nahe gelegen, bei dem Neubau in Halle auf Holz zu setzen, das bei der Photosynthese bekanntermaßen Kohlendioxid speichern kann.
Mit der Schulstiftung arbeiten die Architekten nicht zum ersten Mal zusammen: Der benachbarte, im Jahr 2014 bezogene Neubau der Grundschule St. Franziskus ist auch von ihnen verantwortet worden. Das Gebäude gilt erster Schulneubau in Sachsen-Anhalt im Passivhausstandard und besteht im Wesentlichen aus einer Holzkonstruktionen. Mit dem Einsatz von Lehm geht man nun noch einen Schritt weiter.
Und nicht nur die beiden Baustoffe tragen zur guten Öko-Bilanz des Projektes bei, wie die Verantwortlichen deutlich machen. Geheizt werden soll mit Sonnen- und Erdwärme, Technik so sparsam wie möglich eingesetzt werden. Die Fachwerkkonstruktionen der Innenwände sind schon vorgefertigt auf der Baustelle angeliefert worden.
Und dann kommen David Pfennig und seine Leute ins Spiel. Der Bauunternehmer und Geschäftsführer der gleichnamigen Oschatzer Firma setzt seit 20 Jahren auf nachhaltiges Bauen; der Umgang mit Lehm gehört dazu. Dabei ließen sich herkömmliche Techniken ebenso anwenden wie bei anderen Baustoffen, sagt er. „Man muss nur ein kleines bisschen umdenken.“
Das Prinzip beim Neubau erläutert der Sachverständige Ziegert so: Konventionelle Baustoffe würden nur da eingesetzt, wo sie notwendig sind. Beim Trockenbau in den Nasszellen zum Beispiel seien Gipsplatten verwendet worden. „Das ist vernünftig so, weil sie im Gegensatz zu Lehm wasserfest sind.“ Es gehe ohnehin nicht darum, sie zu verteufeln. „Kalk und Sandstein sind wunderbare Baustoffe. Aber wir müssen lernen, sie nur da einzusetzen, wo es notwendig ist.“
Wenn die neue Schule fertig ist - im Moment läuft der Innenausbau - heißt es für die Schüler der 2008 gegründeten Mauritius-Sekundarschule erstmals, nicht mehr in einem Provisorium zu lernen. Derzeit ist ihre Schule in einem angemieteten DDR-Schulhaus in der Jamboler Straße untergebracht. Wenn alles klappt - Bauherren und Bauleute gehen davon aus - soll der Neubau zum Jahresende fertiggestellt und der Schulbetrieb darin nach den Winterferien 2027 starten.
Über 15 Millionen Euro
Die katholische Schulstiftung lässt sich das Projekt für bis zu 300 Schüler 15,4 Millionen Euro kosten. Wenn auch ökologisch deutlich besser, könne sich der Neubau finanziell durchaus mit herkömmlichen Schulbauten messen, macht Architekt Tietze deutlich. Die Kosten pro Quadratmeter Bruttogeschossfläche lägen bei 2.800 Euro. Bundesweit betrügen sie im Mittelwert bei Schulbauten derzeit 2.885 Euro.
Bildunterschriften:
Stein auf Stein: Maurer Thomas Gelhardt baut an einer Lehmsteinwand, mit der die vorgefertigte Holzkonstruktion ausgefacht wird.Dreigeschossig: Der Rohbau der Sekundarschule St. Mauritius in Halle steht, im Inneren wird noch gebaut. Von außen soll das Gebäude mit einer Holzverschalung versehen werden.
Viel schneller als mit der Maurerkelle: Paul Nollau trägt Lehmputz mit der Putzmaschine auf.
Text: Annette Herold-Stolze, Fotos: Steffen Schellhorn
