Pressemitteilung - 12. Februar 2026
Baustellenbesichtigung der St. Mauritius-Sekundarschule, Murmansker Str., Halle (Saale)
BAUWENDE: MACHENNachhaltig und gesund bauen: Dass das geht, zeigt eine Bauherrin in Halle an der Saale und geht mit gutem Beispiel voran. Hier entsteht mit der St. Mauritius Sekundarschule aktuell ein Leuchtturm-Projekt des nachhaltigen Bauens.
Die Edith‐Stein‐Schulstiftung des Bistums Magdeburg realisiert den Neubau der St. Mauritius- Sekundarschule, die damit endlich ein den Bedürfnissen angepasstes Gebäude erhält. Auf einer Fläche von rund 3.500 Quadratmetern entstehen moderne Klassenräume, offene Lernlandschaften und Fachwerkstätten für bis zu 300 künftige Schülerinnen und Schüler. Das ambitionierte Ziel: „Das Gebäude wird CO₂-neutral errichtet und soll auch so betrieben werden“, sagte Steffen Lipowski, Vorstand der Edith‐Stein‐Schulstiftung.
Daher lag auch der Planungsschwerpunkt auf der Reduktion der CO2-Emissionen in Bau und Betrieb. „Diese erreichen wir durch den Einsatz natürlicher Baustoffe in seriellen Elementen mit hohem Vorfertigungsgrad. Die tragende Konstruktion des dreigeschossigen Gebäudes besteht ausschließlich aus Holz. Die Holzgefache der Außenwände sind mit Zellulose gedämmt und werden mit einer Holzfassade bekleidet. Die als Fachwerkkonstruktion vorgefertigten Innenwände sind mit 24 cm dicken Lehmsteinen ausgefacht und mit Lehm verputzt. Das minimierte, regenerativ innovative Technikkonzept nutzt ausschließlich erneuerbare Energien, vorrangig Erdwärme und eine Photovoltaikanlage“, erläuterte Alexander Tietze, Architekt und Mitinhaber von Steinbock-Architekten aus Magdeburg, das Konzept.
Damit übernimmt die Schulträgerin nicht nur Verantwortung für den ressourcen- und klimabewussten Umgang im Bauwesen, auch die Schülerinnen und Schüler lernen das gesunde nachhaltige Bauen sozusagen am „lebenden“ Objekt.
Die Grundsteinlegung fand am 19. Mai 2025 statt, das Richtfest im November, bis Ende dieses Jahres soll der Bau fertig gestellt sein. Damit beweist das Projekt: Durch den Einsatz von vorgefertigten Holzmodulen schreitet der Bau zügig voran. Und die Gesamtkosten (brutto 15,4 Mill. EUR) bewegen sich in einem bundesweit vergleichbaren Rahmen für Schulbauten. Was der Neubau aber allen konventionellen, meist in Betonbauweise ausgeführten Zweckbauten voraushat: bereits durch die Errichtung des Gebäudes wird der Atmosphäre CO2 entzogen, während Gebäude aus konventionellen Baustoffen schon beim Bau große Mengen des klimaschädlichen Gases emittieren. Außerdem lassen sich die Hauptbaumaterialien Holz und Lehm komplett wiederverwenden bzw. verwerten; und überzeugen durch weitere Vorteile.
Die Holzbauelemente stammen von dem münsterländischen Unternehmen Terhalle, das gleichzeitig als Generalunternehmer fungiert. Die als Rahmenkonstruktion vorgefertigten Innenwände werden vor Ort mit schwerem Lehmsteinmauerwerk ausgefacht. Das übernimmt der spezialisierte Handwerksbetrieb Pfennig Bau. „Bei diesem Bauvorhaben ist die besondere Herausforderung, die Lehmwände schnell fertigzustellen, weil der vorgefertigte Holzbau so schnell errichtet ist. Aber darauf können wir gut reagieren, da wir nicht nur den Putzmörtel, sondern auch den Mauermörtel maschinell auftragen.“ führte David Pfennig, Geschäftsführer, aus.
Die Lehmsteine geben dem Holzbau die thermische Trägheit eines Massivbaus. „Der großflächige Einsatz von Lehm, als Füllung der Holzmodule und dem Verputz, sorgt für ein angenehmes Raumklima und leistet durch die hohe Speichermasse einen Beitrag zum geringeren Energieverbrauch für Heizung und Kühlung sowie einen hervorragenden Schallschutz“, erklärte der gebürtige Leipziger, Prof. Christof Ziegert, Sachverständiger im Lehmbau. Er zeichnet mit seinem auf Lehm- und Holzbau spezialisierten Büro ZRS für die Fachplanungsaspekte Tragwerk, Schallschutz und Brandschutz des Schulbaus verantwortlich.
Gerade in Mitteldeutschland sind traditionelle Lehmbauten weit verbreitet und für ihr gutes Raumklima geschätzt. Der Schulneubau nimmt also die traditionellen Baustoffe und Bauweisen auf und passt diese an die modernen Anforderungen im Bauwesen an. Dass das bei den strengen Bauvorschriften in Deutschland überhaupt wieder möglich und zulässig ist, daran hat Prof. Ziegert erheblichen Anteil. Er ist auch Mitbegründer des in Halle (Saale) am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt ansässigen WIR!-Bündnis GOLEHM. Gefördert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt können hier über zahlreiche Forschungsvorhaben weitere Grundlangen für DIN-Normen für Lehmbaustoffe erarbeitet werden, die zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten sind. „Nur durch einen entsprechenden baurechtlichen Rahmen kann bei Planern und Handwerkern wieder eine Akzeptanz und im positiven Sinne Normalität bei der Verwendung dieser Baustoffe erreicht werden“, erläutert Ziegert.
Der Schulbau selbst wurde überwiegend regional geplant und ausgeführt. „So werden die Kompetenzen im nachhaltigen Bauen und damit die Zukunftsfähigkeit der regionalen Bauwirtschaft gestärkt und gesichert“, erläutert der ausführende Lehmbauer, David Pfennig aus Oschatz und ebenfalls Partner bei GOLEHM.
Das Know-How und die entsprechenden Gewerke sind also in der Region bereits bestens etabliert. Für eine erfolgreiche Bauwende sind im Mitteldeutschen Raum alle Bausteine vorhanden. Es gilt also, es der Edith-Stein-Schulstiftung gleich zu tun: …einfach machen!
PROJEKT:
Bauherr: Edith‐Stein‐Schulstiftung des Bistums Magdeburg
Architekt: Steinblock Architekten GmbH, Magdeburg
Tragwerksplanung, Schallschutz und Fachberatung Lehmbau: ZRS Ingenieure GmbH, Berlin
Brandschutzkonzept: ZRS Architekten GvA mbH, Berlin
Generalunternehmer: Terhalle Holzbau GmbH, Ahaus‐Ottenstein
Lehmbauarbeiten: Pfennig Bau GmbH & Co KG, Oschatz
