Sächsische Zeitung- 27. Februar 2026
Mit Stroh und Lehm in die Zukunft
Bauen und Sanieren mit NATÜRLICHEN MATERIALIEN ist auf der HAUS ein wichtiges Thema.Woraus sollen Gebäude künftig bestehen? Wie können wir beim Bauen, Sanieren und Nutzen von Immobilien einen klugen Umgang mit Material und Energie sicherstellen? Und wie machen wir unsere Häuser „wohngesünder“? Die Antwort kann in der Nutzung ökologischer Baustoffe liegen – weshalb diese immer stärker in den Fokus von Bauherren, Architekten und Bauausführenden rücken. Auch auf der diesjährigen HAUS wird das Thema präsent sein. Zum Beispiel am Stand von Pfennig Bau aus dem nordsächsischen Oschatz. Der seit 2004 bestehende Fachbetrieb für Umbau, Sanierung und Dämmung hat sich bereits vor vielen Jahren auf das Arbeiten mit baubiologisch gesunden Materialien spezialisiert. Eines der interessantesten Projekte ist ein Eigenheim in Dresden, das hauptsächlich aus Stroh besteht (www.strohhaus-dresden.de).
„Das Projekt am Wachwitzer Elbhang steht eigentlich etwas außerhalb unseres Portfolios“, sagt David
Pfennig, „wir sind eher die Fachleute für die energetische und ökologische Ertüchtigung von Gebäudebestand. Aber das Konzept hat mich so fasziniert, dass wir das Strohballen-Haus der Dresdner Architektin Valérie Madoka Naito unbedingt mit umsetzen wollten“. Die Bauelemente entstehen bei der Strohelemente GmbH in Oschatz. Entwickelt wurden sie von Werner Ehrich,
einem in Weißenfels ansässigen Architekten, der auch Zimmermann ist und sich seit mehr als 30 Jahren mit Stroh als Baustoff beschäftigt.
Das schlichte Prinzip der Elemente: Stroh wird unter hohem Druck in einen Holzrahmen gepresst. So entstehen standardisierte Wandbauplatten, die nach der Montage von innen mit Lehm verputzt werden. Bei der Gestaltung der Außenseite des Hauses haben die Bauherren unterschiedliche Optionen. „Da ist eine Holzfassade möglich, genauso wie Putz. Die Oberfläche der Strohelemente ist danach nicht mehr zu sehen“, so der Geschäftsführer von Pfennig Bau. „Auch die Installation einer Wandheizung unter dem Lehmputz ist möglich“.
Stabil, isolierend und wohngesund
„Diese Strohquader sind vermutlich eine der nachhaltigsten Optionen, die wir überhaupt fürs Bauen zur Verfügung haben“, sagt der Bauunternehmer. „Stroh gibt es überall, und es ist billig. Seine natürliche Struktur, die Komprimierung in der Presse und die Kombination mit dem wunderbaren
Baustoff Lehm sorgt für stabile Wände, die das Haus im Winter warm und im Sommer kühl halten“. Auch das Wohlbefinden der zukünftigen Bewohner des Wachwitzer Einfamilienhauses gewinnt, denn die StrohLehm-Wände sind frei von jeglichen Giften. Außerdem können sie konstruktionsund materialbedingt „atmen“, und sorgen so für eine konstante und gesunde Luftfeuchte.
Wichtig ist David Pfennig, dass es sich beim Dresdner Strohhaus nicht um ein Nischenprojekt handelt, dass nur auf kleiner Fläche funktioniert: „Eine solche Bauweise ist für Kitas und Schulen genauso denkbar, oder für Verwaltungsgebäude.“
Dass das Bauen mit gesunden, umweltfreundlichen und komplett kreislauffähigen Materialien auch im großen Maßstab möglich ist, zeigt ein Projekt von Pfennig Bau in Halle an der Saale. Hier wächst mit der St. Mauritius Sekundarschule ein weiteres Leuchtturm-Projekt des nachhaltigen Bauens. Auf einer Fläche von rund 3.500 Quadratmetern entstehen in dem Objekt des Bistums Magdeburg Klassenräume, Lernlandschaften und Fachwerkstätten für bis zu 260 Schüler. Das Gebäude wird CO2-neutral errichtet und soll auch so betrieben werden.
Die Basis hierfür wird durch den Einsatz natürlicher Baustoffe in seriellen Elementen mit hohem Vorfertigungsgrad gelegt. In den mit Zellulose gedämmten Wandelementen sind die Fenster bereits werksseitig vorinstalliert. Die Holzmodule für die Innenwände werden vor Ort von der Firma Pfennig mit Lehmbausteinen ausgemauert und mit Lehmputz ausbaufertig gemacht. Die Kosten für das Projekt sind David Pfennig zufolge im Vergleich mit herkömmlicher Bauweise absolut konkurrenzfähig: „Bei guter Planung und unter Verwendung der immer besser werdenden Bauelemente aus nachhaltigen Materialien können wir heute Häuser bauen, die nicht teurer sind als die aus den Stoffen, mit denen wir in den letzten 100 Jahren gebaut haben. Bei sorgfältiger Bauweise entstehen so Gebäudehüllen, die sehr lange halten und die alle Anforderungen an Energieeffizienz erfüllen“.
